Als ich heute morgen aufstehe, geht mir ein Lied durch den Kopf:

“Gute Reise schöne Rose,
gern lass ich dich gehn,
denn für meinen kleinen Garten
warst du viel zu schön.

Du bist eine falsche Schlange,
lange sah ich das nicht ein.
Darum hab ich keine Bange,
lange bist du nicht allein.”

Ich habe keine Ahnung, wie es da rein gekommen ist. Zwar erinnere ich mich, wild geträumt zu haben, aber was, das habe ich längst vergessen.
Leider vergesse ich fast immer sofort, was ich geträumt habe. Wobei… manchmal ist das vielleicht auch besser so.

Allerdings habe ich auch keine Ahnung, wie ich es nun wieder rausbekomme aus meinem Kopf – das Lied. Im Gegenteil, grübele ich inzwischen darüber nach, wer es wohl gesungen hat. Es muss schon ewig her sein. Ich glaube, es war ein Franzose. Ein kleiner, schmächtiger Kerl. Er sprach die Worte mit “ng” immer falsch aus, nicht weich verbunden, sondern abgehackt. “Schlan-ge” und “lan-ge”. Außerdem beschränkt sich die Platte in meinem Kopf auf Text und Melodie des Refrains, so dass ich jetzt gleich drei Probleme auf einmal habe: Wer war der Sänger? Wie geht es weiter? Und wie, verdammich, kam es in meinen Kopf?

Als ich ins Büro gehe, fällt mein Blick auf die blaue Karte im Postausgangskasten. Noch so ein Mysterium. Am Montag lag sie im Briefkasten. Ein Einschreiben, das nicht zugestellt werden konnte. Ich soll es mir auf dem Postamt abholen. Aber nicht heute. Natürlich habe ich den ganzen Montag darüber nachgedacht, von wem dieses Einschreiben wohl sein könnte und welche Hiobsbotschaft es bringt. Also treibt mich die Neugier am Dienstag schon lange vor Büroschluss hinaus auf die nasskalte Straße. Zum Glück hat die Schlange vor dem Postschalter nicht die übliche monströse Länge. Unglücklicherweise kann die Dame am Schalter den Brief trotz intensiver Recherche nicht finden. Sie startet einen Suchauftrag. Ich soll ihr meine Telefonnummer geben. Sie ruft an, wenn der Brief auftaucht. Heute ist Donnerstag. Anruf kam bis heute keiner. Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass ein Einschreiben einfach so verschwinden kann.

Die reisende Rose geht mir dennoch nicht aus dem Kopf. Immerhin gesellen sich nach und nach immer mehr Buchstaben zu dem Bild des Sängers in meinem Kopf. Ich muss sie nur noch in die richtige Reihenfolge bringen. Quasimodo? Nein. Amado? Nein. Adamo? Ja! Ich bin mir fast sicher.

Und falls jetzt der eine oder andere von Euch denkt: deren Probleme möchte ich auch mal haben… Vorsicht! Ihr könntet es bereuen, wenn Euer Wunsch in Erfüllung ginge.

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