Alex hatte sie einfach weggeschickt. Nichts konnte ihn umstimmen. Nicht ihr Bitten und auch ihr Weinen nicht. Und als sie sich aufs Drohen verlegte, warf er sie schließlich raus. Der Gedanke, nun nichts mehr zu verlieren zu haben, ließ sie danach bis an die Grenze der Erschöpfung gegen seine Wohnungstür hämmern.
Es war bereits dunkel, als sie sich auf einer Bank am Taxistand unweit seiner Wohnung wiederfand. Ihr Zorn war einer niederschmetternden Traurigkeit gewichen und sie begann wieder hemmungslos zu weinen. Wobei ihr selbst nicht ganz klar war, weswegen sie weinte: der verlorenen Liebe wegen, seiner Herzlosigkeit wegen oder wegen ihrer Unbeherrschtheit, mit der sie sich endgültig jede Chance verscherzt hatte. Je mehr sie über die Vorkommnisse der letzten Stunden nachdachte, umso größer wurde das Chaos in ihrem Kopf. Wie ein Häufchen Elend in sich zusammengesunken und schluchzend an diesem verwaisten Taxistand sitzend, bot sie ein mitleiderregendes Bild. Nicht einmal, als ein Wagen vorfuhr und unmittelbar vor ihr zum Stehen kam, hob sie den Kopf.
“Wartest du auf ein Taxi?”
Der Fahrer lehnte sich auf die Beifahrerseite und öffnete einladend die Tür. Als sie lediglich stumm den Kopf schüttelte ohne aufzusehen, stieg er aus und kam auf sie zu.
“Alles klar bei dir?” Wieder schüttelte sie stumm den Kopf, schaute ihn jedoch dabei an.
“Oh! Ich sehe schon”, er machte einen weiteren Schritt auf sie zu, “da braucht jemand dringend eine Kleenex-Box. Kann ich allerdings leider nicht mit dienen”, er griff in die Tasche seiner Wildlederjacke, holte ein zusammengeknülltes Taschentuch heraus und reichte es ihr, “aber vielleicht tut es ja auch das hier.” Nachdem sie dankend abgelehnt hatte, stopfte er das Tuch in seine Tasche zurück und streckte ihr die nun freie Hand entgegen.
“Harry”, stellte er sich vor, “man nennt mich auch den Tränenflüsterer. Wer hat dich denn so geärgert, meine Schöne? Apropos schön… eine schöne Frau wie du sollte nicht mitten in der Nacht tränenüberströmt und einsam auf einer Bank sitzen.” Sie nahm die dargereichte Hand zwar nicht, verzog jedoch das Gesicht zu einem etwas verunglückten Lächeln. Die freundliche Aufmerksamkeit tat ihr gut.
“Das willst du gar nicht wissen”, schniefte sie und wischte mit den Handrücken die Tränen aus den Augen, “und ich bin Paula”.
“Fein. Jetzt, wo wir das geklärt haben… Auf ein Taxi kannst du hier lange warten. Was meinst du? Soll ich dich nach Hause fahren?” Sie musterte ihn kurz. Eine blonde Strähne fiel über braune Augen mit einem freundlichen, offenen Blick, volle Lippen, Dreitagebart, die Kleidung leger, die Hände gepflegt, die Figur sportlich. “O.k., ich hätte nichts dagegen.”
Galant schloss er die Beifahrertür, bevor er selbst einstieg. “Du sagst mir, wo es hin geht? O.k., dann mal los. Und vergiss das Anschnallen nicht.” Er ließ den Motor an, suchte im Autoradio einen Sender mit Tanzmusik und fuhr los. Anfangs versuchte er immer wieder, ein Gespräch in Gang zu bringen, gab aber schließlich auf, denn Paula blieb einsilbig, kämpfte noch immer mit den Tränen bei den Gedanken an Alex, grübelte darüber nach, wieso er ihre Beziehung einfach so beendet hatte.
“Jetzt hör endlich auf zu heulen!” Der barsche Tonfall riss sie endlich doch aus ihrem Gedankenkarussell. Überrascht schaute sie auf und stellte fest, dass der Wagen irgendwo in der Pampa mitten auf dem Feld stand. Das ungute Gefühl, das sie bei dieser Feststellung beschlichen hatte, wich zunehmender Angst, als sie sich zu Harry umdrehte. Die freundlich blickenden Augen hatten sich zu böse funkelnden Schlitzen verengt, ein kalter Zug umspielte die Lippen, die muskulösen Arme wurden zur Bedrohung. Wie bedrohlich, sollte sie schnell merken, als er ihren Gurt löste und sie an sich heran zog.
“Stell dich nicht so an!” schnauzte er, als sie sich zu wehren versuchte. “Die ganze Fahrt über höre ich mir dein Gegreine an. Madame ist zu fein, mir die Hand zu geben. Madame ist auch zu fein, mit mir zu reden. Aber nach Hause fahren darf ich Madämchen natürlich. So läuft das nicht.”
Mit einem Ruck reißt er ihre Bluse auf, versucht, mit einer Hand ihre Jeans zu öffnen, während die andere Hand ihre Arme nach oben drückt. Als sie schreit, schlägt er ihr hart ins Gesicht. “Niemand hat dich gezwungen, in mein Auto zu steigen”, keucht er, “also mach jetzt nicht so ein Theater”. Ihre Gegenwehr wird immer schwächer. “Bitte… bitte hör auf… lass mich raus” schluchzt sie. Sie hat keine Chance.
Als er fertig ist, öffnet er die Beifahrertür und stößt sie aus dem Wagen.
“Du willst raus? Bitte sehr!” Damit knallt er die Tür wieder zu, fährt davon und lässt sie zurück.


