Artikel-Schlagwort: Herbst

Ich habe unruhig geschlafen und es treibt mich schon früh aus dem Bett.

Barfuß, noch im Schlafanzug trete ich mit der frischgebrühten Tasse Kaffee in der Hand hinaus in den Garten und beobachte das Schauspiel, das – so scheint es mir – heute nur für mich stattfindet: Die ersten zaghaften Sonnenstrahlen spielen Fangen mit dem Morgennebel, der aus den Wiesen aufsteigt, sich in die Äste der Bäume flüchtet und doch keine Chance hat, zu entkommen.

An vielen Ästen hängen noch die reifen Äpfel. Niemand hat sich die Mühe gemacht, sie zu pflücken. Wozu auch? Die Natur wird sich darum kümmern. Werden und Vergehen. So ist das Leben. Dieser Gedanke weckt in mir gemischte Gefühle. Es ist Herbst. Es ist der 3. Oktober. Es ist mein 50. Geburtstag. Werden und Vergehen…

Obwohl es weit schon im Oktober ist
hat mich die Morgensonne wachgeküsst

- wie schön -

denn der Nebel in den letzten Tagen
fing langsam an, mir aufs Gemüt zu schlagen

- zum Glück -

sind zärtliche Gefühle neu geweckt
bei mir und ihm, denn seine Zunge neckt

- meine äpfel -

gleichen Brüste und ich schmiege mich fest an
erfahre so im Liebesspiel, wie heiß der Herbst sein kann

- mit ihm -

Meinen kleinen Depressionen
geb ich einen Namen.
Bitte sie zum Zwiegespräch,
frag, woher sie kamen.

Frage auch, wie’s ihnen geht
und wie lang sie bleiben,
ohne dass der Eindruck entsteht,
ich wollte sie vertreiben.

Denn auch kleine Depressionen
haben ihren Zweck.
Doch bevor ich den erfahr,
sind sie schon wieder weg.

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Ganz unvermittelt ist es Herbst geworden.
Ich setz die rosarote Brille ab.
Je schneller die Gefühle überborden,
je schneller tragen wir sie wohl zu Grab.

Die Ruhelosigkeit treibt mich zum Fenster.
Das kalte Glas kühlt meine heiße Stirn.
Und in der Dämmerung seh ich Gespenster
aus Nebel. Sie vernebeln mir das Hirn.

Du sagtest, uferlos sei deine Liebe.
Ganz ohne Rettungsring sprang ich hinein.
Vertrauend, dass es ewig wohl so bliebe.
Jetzt bin ich Treibholz. Treibend – und allein.

Ich sitz vor deinem Foto – ewig lange.
Beschwör Erinnerungen en Detail.
Ich hock wie das Kaninchen vor der Schlange
und wünschte doch, ich wäre endlich frei.

Der Herbstwind spielt seine Melodie,
ein Lied voller Wehmut und Melancholie…

Ich kann diesen lyrischen Quatsch nicht mehr hören,
von Düften, die die Sinne betören
und Herbstlaub, das wispert
und Feuer, das knistert
so malerisch im offnen Kamin.
He Leute, schaut doch mal richtig hin:

Es wird früher dunkel und später hell,
die knappe Zeit rast noch mal so schnell,
vom nassen Laub sind die Straßen klitschig,
von wegen wispern – mein Gott ist das kitschig!
Es regnet ständig und ist saukalt
doch die Heizperiode kommt nicht so bald,
sagt der Vermieter – und lässt mich frieren.
ich soll’s mit warmen Gedanken probieren.

Na toll! Besten Dank! Ruck-zuck bin ich krank,
hab Husten und Schnupfen und Gliederschmerzen
und mir ist nach allem – nur nicht nach scherzen.
Trotz Krankheit schlepp ich mich ins Büro
und ernte nur Undank. Man ist keineswegs froh
sondern motzt, ich würde die andern anstecken.
Wisst ihr was, ihr könnt mich am … lecken!
Der nächste Flug in den Süden ist meiner
und vor’m nächsten Frühjahr sieht mich hier keiner!

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